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Haus der Natur - Cismar, früher und heute

in der mehr als 30-jährigen Geschichte des „Hauses der Natur" gibt es zahlreiche interessante Stationen. Eine kleine Übersicht können Sie hier nachlesen.

Wie alles begann ...

Die Sammlungen im Haus der Natur – Cismar gründen sich auf die Privatsammlung von Vollrath Wiese, der bereits als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern die Tiere und Pflanzen seiner Umwelt kennenlernte und erforscht. 1974, als Vollrath Wiese 12 Jahre alt war, spezialisierte er sich auf Weichtiere (Schnecken und Muscheln). Die Sammlung wurde im Privathaus der Familie dekorativ in Schaukästen geordnet. Als nach ein paar Jahren die der Sammlung zugedachten Räume (das ehemalige Esszimmer) „voll" waren, wurde im Familienrat eine möglichst effiziente (ebenso wie preisgünstige) Möglichkeit der Bewahrung der Stücke gesucht. Man entschied sich für Garagen am Privathaus hinter dem Kloster und die Sammlung zog 1979 in zwei schöne innen holzverkleidete Räume um, zuerst mit dem Ziel, sie den eigenen Freunden und Gästen der Familie zeigen zu können. Als dann im Sommer beim Lüften mit geöffneter Eingangstür vorbeikommende Touristen danach fragten, die Sammlung besichtigen zu dürfen, wurde im Juli 1979 das Museum als „Kleines Haus der Natur" für Besucher geöffnet.


Nach der Eröffnung 1979 erlebte das „Kleine Haus der Natur" eine kometenhafte Entwicklung. Anfangs waren Vollrath Wiese (und seine spätere Frau Gyde) noch Schüler, aber ihre seinerzeit noch einfach in selbstgebastelten Kästen ausgestellten Exponate faszinierten schon viele Besucher. 1980 waren es schon mehr als 10000. Die Begeisterung der Familie Wiese für die Natur infizierte viele Besucher und im Laufe der Zeit wurden von Tausenden von Freunden und Besuchern interessante Sammlungsergänzungen nach Cismar gebracht. Natürlich wurden für die Sammlung auch viele Exponate selbst gesammelt, Stücke gekauft oder getauscht. Im Laufe der Jahre kamen zahlreiche Sammlungen oder Sammlungsteile hinzu. Eine Liste der übernommenen Molluskensammlungen bzw. des Molluskenmaterials ist hier nachzulesen. Auch viele tot aufgefundene heimische Vögel und Säugetiere wurden dem Museum übergeben und für die Ausstellung präpariert.

1985 wurde – wieder aus akutem Platzmangel – ein weiterer Anbau realisiert, so dass die Ausstellungsfläche danach 100 m² umfasste und die verschiedenen Ausstellungsthemen systematischer und dekorativer präsentiert werden konnten. Sonderausstellungen, auch bei Jahrestreffen von Schnecken- und Muschelvereinigungen (z.B. Deutsche Malakozoologische Gesellschaft, Club Conchylia) machten das Kleine Haus der Natur unter Fachleuten bekannt. Seit 1982 untersucht Vollrath Wiese in Schleswig-Holstein im Rahmen der Kartierung der Land- und Süßwassermollusken die heimischen Schnecken und Muscheln. Die wissenschaftliche Dokumentationssammlung hinter den Kulissen (einschließlich der dazugehörigen Literatur) wuchs ebenso wie die Ausstellung. Daraus ergab sich akute Platznot, auch weil die Verwaltungsaufgaben mehr Raum und Zeit beanspruchten. Die Familie diskutierte und suchte daraufhin nach alternativen Räumlichkeiten oder Organisationsformen.


Vom Land Schleswig-Holstein und von der Gemeinde Grömitz kam 1989 der Vorschlag, doch für das Museum die alte im Ortskern liegende „Lindenhof-Ruine" wieder aufzubauen. Dafür sollten Städtebauförderungsmittel bewilligt werden. Nach vielen Überlegungen vor allem zur Bewältigung der Finanzierung und nach umfänglichen Förderzusagen von Land und Gemeinde hat Vollrath Wiese mit seiner Familie im September 1989 die Lindenhof-Ruine, die fast zehn Jahre ohne Dach und Zwischendecken gestanden hatte, zum Wiederaufbau gekauft. Als Folge der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Zuschuss-Programme gestrichen, jedoch wurde im zweiten Anlauf dann doch ein Zuschuss-Anteil von 45 % bewilligt, so dass mit großem Anteil von eigener Arbeitsleistung und mit großer ideeller und tatkräftiger Unterstützung durch Freunde des Museums (z.B. durch den 1991 gegründeten Verein zur Förderung der Naturkunde in Cismar e.V.) der Wiederaufbau in Angriff genommen und 1994 abgeschlossen werden konnte. Nach den Einrichtungsarbeiten 1995 wurde das Museum im April 1995 feierlich in seinen neuen Räumen direkt an der B 501 im Ortskern von Cismar eröffnet. Während der ganzen Bauzeit war die Ausstellung in ihren alten Räumlichkeiten hinter dem Kloster weiterhin zu besichtigen gewesen.


Das historische wiederaufgebaute Backsteingebäude beherbergt nun 500 m² Ausstellungsfläche und etwa noch einmal so viel Fläche in den weiteren Räumen, die für den Betrieb des Museums nötig sind.






Auswahl von Publikationen

ARBEITSGEMEINSCHAFT SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER MUSEEN (Hrsg.) (1986): Museen und Sammlungen in Schleswig-Holstein. – 6. Aufl., 228 S., 1 Karte; Neumünster.

DREWES, P. (Hrsg.) (1990): Die Museen in Schleswig-Holstein und Hamburg. – 172 S.; Rendsburg.

FABER, W. (1988): Haus der Natur. – Vita Marina, Apr.-Juni 1988: 19-21.

FÖRDERKREIS KLOSTER CISMAR E.V. (Hrsg.) (1988): Cismar gestern und heute. – 112 S., Cismar.

GRIMMER, Y. (1989): Regional-Treffen im „Kleinen Haus der Natur" in Cismar bei Familie Wiese am 30.4.1989. – Club Conchylia Informationen, : 73-74.

HOFMANN, R. (2009): Regionaltreffen im Haus der Natur – Cismar – herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen! – Club Conchylia Mitteilungen, 12: 7-10; Ludwigsburg.

JANSEN, U., KÖNIGSHOF, P. & STEININGER, F. F. (Hrsg.) (2004): Zeugen der Erdgeschichte. Ein Reiseführer zu den schönsten Fossilien in deutschen Naturkundemuseen. – 2. Aufl., 127 S.; Stuttgart.

JUNGBLUTH, J. H. (2000): Nachhaltige Vermittlung von naturkundlichem Wissen im Museum: Am Beispiel der „Monatsblätter". – Mainzer naturwissenschaftliches Archiv, 38: 289-310; Mainz.

JUNGBLUTH, J. H. (2002): Personalia. – Bulletin, Deutscher Museumsbund e.V., 2002 (4): 13-14; Dresden.

JUNGBLUTH, J. H. & WIESE, V. (1989): Malakozoologische Landesbibliographien VI: Bibliographie der Arbeiten über die Binnenmollusken in Schleswig-Holstein. -- Schriften zur Malakozoologie aus dem Haus der Natur - Cismar, 1: 1-64.

KÖPPEL, C. RENNWALD, E. & HIRNEISEN, N. (HRSG.) (1998): Rote Listen auf CD-Rom. Vol. 1. Mitteleuropa [...]. – CD-Rom, Gaggenau.

LAMPE,K. (1986): ... und so begann für mich der Einstieg in Cismar. – Club Conchylia Informationen, 18 (3): 53.

LANDESINSTITUT FÜR PRAXIS UND THEORIE DER SCHULE [...] & MINISTERIUM [...] (Hrsg.) (2002): Regionale Pädagogische Umwelteinrichtungen in Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein Natur erleben. Umwelteinrichtungen zwischen den Meeren nutzen. – IPTS Arbeitspapiere zur Unterrichtsfachberatung, 63 S.

LINDNER, G. (1986): Die Fahrt nach Cismar zum Norddeutschland-Regionaltreffen am 3. Mai 1986. – Club Conchylia Informationen, 18 (3): 46-52.

MEHL, U. (1998): Die Sammlung von Vollrath Wiese - vom Hobby zum wissenschaftlichen Museum. – Schleswig Holstein, Kultur - Geschichte - Natur, Sonderband „Sammlerträume", 1998 (7-8): 32-33; Husum.

SATZER, K. (1995): „Man muß es nur wollen", 2. April 1995. – Club Conchylia Brief, 17 (Mai 1995): [3-5].

SCHULTZ, P. (2007): Regionaltreffen in Cismar April 2007. – Club Conchylia Mitteilungen, 7: 8-9; Ludwigsburg.

SYDOW, H. [für das Museumsamt ...] (Hrsg.) (2000): Die Museen in Schleswig-Holstein. – 4. Aufl., 35 S.; Rendsburg.

WIESE, V. (1981): "Kleines Haus der Natur" oder wie aus ein paar selbstgefundenen Stücken fast ein Beruf wurde. -- Club Conchylia Informationen, 13 (5/6): 50-51.

WIESE, V. (1983): Volkszählung bei Schnecken und Muscheln. -- Die Heimat, 90 (7/8): 218-222.

WIESE, V. (1983): Die Land- und Süßwassermollusken Schleswig-Holsteins. Bemerkungen zur "längsten Ausstellung" auf der JHV. -- Club Conchylia Informationen, 15 (6): 14-19;

WIESE, V. (1988): Ökologie im Museum. Beiträge zur Didaktik biologisch ausgerichteter Museen mit besonderer Berücksichtigung ökologischer Sachverhalte. -- Wiesbaden, Verlag Christa Hemmen, VI + 152 S. (auch: Dissertation, Pädagogische Hochschule Kiel 1987).

WIESE, V. (1988): SIEGFRIED GUSTAV ANTON JAECKEL (1907-1986). -- Archiv für Molluskenkunde, 119 (1/3): 1-7.

WIESE, V. (1990): Rote Liste der in Schleswig-Holstein gefährdeten Land- und Süßwassermollusken. -- Kiel, Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein, 32 S.

WIESE, V. (1991): Atlas der Land- und Süßwassermollusken in Schleswig-Holstein. -- Kiel, Landesamt für Naturschutz und Landschaftspflege Schleswig-Holstein, 251 S..

WIESE, V. (2004): Haus der Natur - Cismar. Ein Begleiter durch das Museum. – 6. Aufl., 60 S.; Cismar.

[WIESE, V.] (2004): Jubiläum im Schneckenhaus. – Akademie Infobrief, 30: 18; Neumünster.

WIESE, V. (2004): 25 Jahre „Haus der Natur – Cismar". Malakologisches und Museales aus dem kleinen Dorf in die große Welt. – Schriften zur Malakozoologie, 21: 39-62, Cismar.

WIESE, V. (2009): Kurzbericht über das Haus der Natur – Cismar 2004-2009 - anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens. – Schriften zur Malakozoologie, 25: 59-62, Cismar.

WIESE, V. (2012): Bibliophiles und Bibliographisches aus dem Haus der Natur - über die Fachbibliothek im malakologischen Museum in Cismar. – Schriften zur Malakozoologie, 27: 65-68, Cismar.

WIESE, V. (2015): Kurzbericht 2010-2014, 35 Jahre Haus der Natur – Cismar. – Schriften zur Malakozoologie, 28: 47-58, Cismar.

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